Zurück nach Golgulsa

Nun bin ich also Golgulsas Anziehung erlegen. Wenngleich dieser Tempel von den Eckdaten her das faule Gemütlichkeitstier in mir verschrecken müsste, so habe ich die kurze Zeit dort doch sehr genossen. Start des Tages (welch ein Hohn!) um vier Uhr in der Nacht. Sprechchor eine halbe Stunde später, dann Morgenmeditation mit anschließendem Meditationsspaziergang durch die Tempelanlage in immer noch vollständiger Dunkelheit. Nach dem Sonnenaufgang gibt es Frühstück: Reis mit unbekanntem aber sehr schmackhaften Gemüse, das gleiche auch zu Mittag und am Abend. Verschiedene Tagesaktivitäten harmonisieren Körper und Geist, verausgaben tut sich dann ein jeder beim Sunmudo-Trainig, welches um halb neun, neun zu Ende ist. Licht aus dann um zehn. Und das wiederholt sich tagein, tagaus. Anderes als das dargereichte Essen ist nicht erlaubt, Zigaretten und Alkohol sind ein Tabu. Was will ich dann dort eigentlich? Es ist eine gute Frage, denn so ganz genau weiß ich es selbst nicht. Ich habe mich in Golgulsa einfach wohlgefühlt. Ich habe mich gesund gefühlt. Frei vom Stress und der Hektik dieser Welt. Und diesmal will ich ein wenig länger als nur vier Tage bleiben. Doch ein Aufenthalt im Tempel ist nicht billig. Eine Nacht kostet 50.000 Won, bleibt man einen Monat oder länger, dann reduziert sich die Nacht auf 30.000 Won, macht in Summe für 30 Tage etwa 620 Euro, eine ordentliche Stange Geld. Wer dachte, dass Mönche hier in Korea dem weltlichen Gang der Dinge abgeschworen haben und Geld verachten, der muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass es sich dabei um westliche Sozialromantik handelt. Hier in Korea wird aus allem ein Geschäft gemacht, zahlreiche Tempel machen beim „Templestay“ mit, und wenn man sich die Zahlen so ansieht, dann ist es ein Millionengeschäft. Während andere Tempel womöglich keine Notwendigkeit hätten an so einem Programm teilzunehmen, so ist es bei Golgulsa etwas anders gelagert. Früher war es ein bedeutender Tempel, der jedoch den Flammen zum Opfer fiel und außer Asche nicht viel zurückließ. Die Anlage wie sie heute existiert ist gerade einmal 20 Jahre alt, immer noch wird an manchen Stellen gebaut, renoviert, verbessert und verschönert und das kostet nun einmal Geld, der Ort befindet sich noch im Aufbau. Und das setzte einiges in Gange. Nach meinem Aufenthalt wollte ich mich nach einem Buch umsehen, einem, dass vielleicht ein wenig die Geschichte des Tempels und Sunmudos erzählt und vor allem eine kleine Trainingsanleitung bereithält, denn nach drei Tagen Training konnte ich nicht alle Bewegungsabläufe memorieren. Doch Fehlanzeige, die jungen Jahre des neuen Tempels haben noch kein Buch hervorgebracht, zumindest keines, welches nicht in koreanischer Sprache verfasst ist. Und das sah ich als meine Chance. Ich schlug dem Tempel vor, für freie Kost und Logis ein kleines Büchlein zu erstellen, mit einer kurzen Historie des Ortes und ein paar Fotos als Trainingsanleitung und mit diesem Vorschlag bin ich auf Begeisterung gestoßen. Die nächste Zeit wird also neben einem strengen Tagesrhythmus auch eine Menge Arbeit liefern, aber am Ende sollten wir alle davon profitieren – ganz ohne Geld.

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